DIE INSEL MARETTIMO
Geschichte



Marettimo war schon immer ein wichtiger Landeplatz für alle Völker, die das Mittelmeer befuhren um Handel zu betreiben oder andere Länder zu erobern. Die Geschichte der Insel ist geprägt durch eine Reihe von Invasionen. Die ersten Einwohner waren die Phönizier . Man nimmt auch an, dass die Insel beim Krieg zwischen den Römern und den Karthagern eine wichtige Rolle gespielt hat: um 241 v.Chr. ereignete sich in den Gewässern der Egadi Inselgruppe ein entscheidendes Gefecht. Die Römer, angeführt von Lutazio Catullo gingen als Sieger hervor und errichteten auf Marettimo eine kleine Garnison, die "CASE ROMANE" von der man heute noch die Ruinen besichtigen kann Um 440 landeten die Vandalen von Genseric in Favignana, um Ihre Beutezüge zu begehen. Auch Marettimo blieb davon nicht verschont. 485 gingen die Egadi Inseln an die Odoaker und Theoderich, den Gotenkönig über. Während der Besetzung von Sizilien bauten die Sarazenen um 810 einige Überwachungstürme auf Marettimo.
Mit der Arabischen Herrschaft erlebten die Egadi Inseln dann eine ruhige Phase mit intensivem Warenhandel
Bald vertrieben die Normannen die Araber und gleich drauf folgten die Svevi: diese Aufeinanderfolge der Herrschaften veränderte die Situation nicht sehr, bis König Karl V von Augsburg die Herrschaft übernahm. Aber der Pirat Khair-Ad-Din, genannt Barbarossa, Herrscher von Algerien und Tunesien liess ihn wieder vertreiben. Verbunden mit Marsala setzten die Soldaten die Egadi Inseln Plünderungen und Missbräuchen jeder Art aus.
Viele Einwohner von Marettimo wurden dabei gefangengenommen und endeten als Sklaven in Algerien, bis sie endlich nach den Friedensverhandlungen von der Regierung befreit wurden.verkaufte Filippo IV von Borbone die Egadi Inseln an die Familie Pallavicino von Genova, welche um 1700 die Landwirtschaft einführte. Endlich begann sich der Lebensstandard der Einwohner etwas zu heben: man verliess die Höhlen und verwandelte diese in Ställe.
Eine grosse Anzahl Bäume wurden gefällt, um Platz für die Kulturen zu schaffen. Marettimo, die weiteste und gebirgigste Insel der Egadi, wurde vor allem von den Holzfällern ausgebeutet.Mit diesem Aufleben wurden viele Aufständische auf die Egadi Inseln ins Exil geschickt oder in den dunklen Zellen der Festungen und Gefängnisse eingesperrt. Auch Marettimo wurde von vielen politisch Deportierten bevölkert, welche in der Wasserzisterne am Fusse von Castello di Punta Troia gefangen gehalten wurden. Dieses Gefängnis wurde 1844 auf Wunsch des Königs Fernando II geschlossen.
1860 begannen für die Inselbewohner Jahre des Friedens und des Wohlstands, unterbrochen vom ersten Weltkrieg 1915 - 1918, in dem auch viele Einwohner von Marettimo für Italien gekämpft haben und umkamen. Die Liste der Gefallenen verlängerte sich noch einmal im zweiten Weltkrieg, bei dem auch viele Einwohner von Favignana bei Bombenangriffen um's Leben kamen. Am Ende dieses Krieges erfuhren die Egadi Inseln eine kurze Periode der wirtschaftlichen Erholung, bis das traurigen Phänomen der Emigration begann, welches erst in den letzten Jahren - auch dank dem Tourismus - etwas zum Stillstand kam.
Das Geheimnis von Marettimo und der Egadi Inseln, dem Zentrum des Mittelmeers, ist noch zu ergründen in seiner Kultur, den Traditionen der Insulaner und ihrer Urverbindung zur Fischerei und dem Meer.

CASE ROMANE

Im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt genossen die kleinen Gemeinschaften der Egadi Inseln etwas Ruhe. Während sich Sizilien romanisierte, diente der kurze Anstieg in dieser Epoche wohl lediglich zur Bereitstellung von Garnisonen. Marettimo war mit Sicherheit die Garnison von Rom. Noch heute heisst die, das Land überragende, Hochebene CASE ROMANE, wo die Überreste einer grossen römischen Siedlung (OPUS RETICULATUM) stehen. Von hier aus beherrschte man das Meer von der Oststeite der Insel bis zur sizilianischen Küste. Auch wenn wir den genauen Gebrauch der Gebäude nicht kennen, so wird angenommen, dass sie zur Verteidigung dienten und zwischen dem 1. Jahrhundert vor Christus und dem 2. Jahrhundert nach Christus erbaut worden ist.

SCHLOSS VON PUNTA TROIA

Von den Sarazenen im IX Jahrhundert auf dem Gipfel eines eindrucksvollen Kaps im Norden von Marettimo erbaut, ragt der eindrucksvolle Ueberwachungsturm des Schlosses empor. Im XII. Jahrhundert verstärkte Ruggero II, Normannenkönig von Sizilien die Verteidigungsposten der Egadi Inseln, darunter auch den Turm von Punta Troia. Aber um 1600 befestigten die Spanier den Turm und erweiterten ihn mit einer grossen Zisterne zur Wasserfassung und einer Kirche, welche "Real Chiesa Parrocchiale" genannt wurde. Später wurde die Zisterne von den Spaniern als Gefängnis für Schwerverbrecher benutzt: der erste "Gast" war ein junger Vatermörder. Ende 1700 wurde das Gefängnis auch für politische Gefangene benutzt: 1798 wurde Giuglielmo Pepe, der bekannteste Patriot der Republik Partenopea dort eingesperrt. Die Gefangenen litten unsägliche Qualen, ohne Licht und ohne Luft. Seit 1844, als der Kerker geschlossen wurde, wurde das Schloss bis zum Ende des zweiten Weltkriegs für militärische Zwecke verwendet.